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Aus dem Darmstädter-Echo vom 24.02.2003

Luftschloss mit Anziehungskraft

Indoor-Spielplatz – Zwölf Gebläse pumpen in Groß-Bieberau Burgen und Berge in früherer Hach-Halle auf – „Fulminanter Start“

GROSS-BIEBERAU. Mitten in der Wirtschaftsflaute ist der Groß-Bieberauer Bauunternehmer Esmael Koohestanian offenbar in eine Marktlücke gestoßen. Auf einer Fläche von 1400 Quadratmetern hat er eine Luftschloss-Landschaft geschaffen, von denen Anziehungskraft er wohl selbst überrascht ist. Rund 2500 Kinder aus ganz Südhessen kamen in den ersten drei Wochen zum Hüpfen, Rutschen, Klettern und Krabbeln – und bezahlten ebenso wie die Eltern zwischen 1,50 und 4,50 Euro Eintritt. Der „Erste Odenwälder Indoor-Spielplatz“ befindet sich in einer 1,2 Millionen Euro teuren Lagerhalle, die Koohestanian ursprünglich für den Werbeartikelhersteller „Hach“ gebaut hatte. Doch der Hersteller ist pleite. „Und da hatte ich die neue Idee“, sagt Koohestanian. Vor allem samstags und sonntags brummt das Geschäft. Über den Tag verteilt sind nach Betreiberangaben jeweils bis zu 500 Kinder da. Einige Eltern nehmen offenbar Anfahrten von bis zu siebzig Kilometer in Kauf. An Werktagen geht es erwartungsgemäß ruhiger zu. Doch immerhin: Am vergangenen, sonnigen Donnerstagnachmittag, als diese Zeitung das Angebot mit einer Vierjährigen unangemeldet testete, toben knapp hundert Kinder – damit lässt sich wirtschaften.

Zwölf Gebläse pumpen die Spielelandschaft auf – und fressen viel Strom. Weil außerdem 9000 Kubikmeter Raumluft beheizt sein wollen, ergibt sich eine Energierechnung von täglich rund 140 Euro. Dazu kommen die Kosten für knapp zwanzig Mitarbeiter. „Dieses Geld muss wieder reinkommen“, sagt Koohenstanian und begründet damit die vergleichsweise hohen Eintrittspreise.

Die Groß-Bieberauer Spielhalle soll kein Billigangebot sein. Ein antistatischer Teppich gehört unter anderem zur Ausstattung – „damit sich die Kinder nicht aufladen“. Besonderen Wert legt der Betreiber auch auf gesunde Verpflegung in der Ess-Ecke. Ein kleiner Kiosk verkauft Würste aus einer Groß-Bieberauer Metzgerei. Die Brötchen kommen vom Bäcker um die Ecke, Wasser und Apfelsaft aus dem Odenwald. Pommes, Popcorn und Bier sind dagegen nicht im Sortiment. Obwohl der Indoor-Spielplatz erst knapp einen Monat alt ist, gibt es bereits Stammkundschaft. „Vor allem einige Alleinerziehenden kommen jeden zweiten Tag“, erzählt Koohestanian. Etliche Eltern richtigen zudem Kindergeburtstage in der Halle aus, buchen gleich die Verpflegung mit und zahlen dafür zwölf Euro pro Gast. Zwei Wochen im Voraus sind die Termine vergeben.

Kritik gab es bisher nur vereinzelt, dafür aber umso heftiger: Dass ein Gast sich über Kabel, gefährliche Ecken, Kanten und Steckdosen beschwerte, findet der Betreiber „an den Haaren herbeigezogen“. Wie in jeder Wohnung gebe es im unzulänglichen und abgesperrten Randbereich auch Stromanschlüsse. „Und wie zu Hause haben die Eltern auch hier eine Aufsichtspflicht“.

Da das Geschäft gut angelaufen ist, schmiedet der Bauunternehmer Koohestanian bereits Ausbaupläne. Wenn es demnächst wärmer wird, will er das Gelände vor und hinter der Halle erschließen. Von Trampolinen, Schaukeln und Kletterwänden ist die Rede. In einem weiteren Schritt sollen sich dann auch Erwachsene vergnügen können – zum Beispiel auf einer zwölf Meter hohen Schaukel. Für den morgigen Dienstag lädt Koohestanian zur „etwas anderen Faschingsparty“ mit einem Unterhaltungskünstler ein. „Ohne Geballer, mit viel Zauberei und Niveau“.

„Ich will ein Freizeit- und Feriengebiet schaffen, das auch für Menschen aus dem Taunus, aus Wiesbaden und Hanau attraktiv ist“, kündigt der Unternehmer an. Ginge es nach den Kindern, dürfte der Groß-Bieberauer gar nicht mehr schließen. Nur mit Mühe konnten Eltern am Donnerstag ihre Kinder vom „Softmountain“ und von der großen Luftrutsche loseisen. Andere hatten sich im Bällebad für Kleinkinder festgespielt, klebten an Bobby-Cars und anderen Fahrzeugen. Koohestanian grinst: Denn „am Abend fließen bei den Kleinen oft die Tränen – Abschiedsschmerz.“